Redebeitrag 2016 – 6: AFBL

Der neue Träger dieses Schweigemarsches für das Leben ist ein Verein, der sich (das ist kein Scherz) „Lebensrecht Sachsen“ nennt, und der sich als „überkonfessionell und parteiübergreifend“ beschreibt. Damit sollen nun wohl auch die Lebensschützer erreicht werden, die der CDU nichts mehr abgewinnen können. Und was das in Sachsen heißt, ist klar. Redner auf der Abschlusskundgebung dieses Marschs ist der christliche Hardliner und ehemaliger CDU-Politiker Martin Lohmann. Der Lohmann, der sich 2013 in einer berüchtigten Günther-Jauch-Talkshow dagegen aussprach Vergewaltigten Frauen die Pille danach zu verabreichen. Der, der – nur Konsequent – das „Ausleben“ von Homosexualität ablehnt und schließlich der, der im Frühjahr 2010 als Erstunterzeichner des „Manifestes gegen den Linkstrend in der CDU“ in Erscheinung trat.

Von evangelikalen Christen wie von Neuen Rechten wird das anachronistische Bild einer vermeintlich „heiligen“ (und heilen) Familie als Norm verbreitet und dieses gegen alle diejenigen gerichtet, die sie als anders wahrnehmen. Ein kollektives Selbst (Deutschlands) wird auf- und angerufen, dem sich qua göttlicher Autorität hingegeben werden soll. Und das meint dann vor allem: der Pflicht der Reproduktion nachzukommen. Dafür wird eine Notwendigkeit von patriarchal-strukturierter Ehe und Familie für die Gesellschaft imaginiert. Frauen fungieren in dieser Sicht als Ehefrauen und Mütter, und nicht als selbstbestimmte Individuen. Das Mutterkreuz lässt grüßen. Und die, die sich nicht in die christliche Normvorstellung von heterosexueller Ehe und Familie fügen wollen, fallen per se schon aus der Rechnung dieser sogenannten Lebensrechtler heraus, ganz zu schweigen von denen, die sie nicht zum Kollektiv – oder wie manche von ihnen es wohl nennen wollen: „zum Volk“ – zählen.


Unter dem Banner des Lebensrechts drückt sich so ein nationalistisches Weltbild aus. Legitimiert wird es mit konstruierten christlich-nationalen Werten und gefordert wird die Erhaltung der vermeintlich gefährdeten Familie. In der phrasenhaften Apologie der Familie werden die eigenen (menschenverachtenden) Ziele gesellschaftlich anschlussfähig gemacht. Eine Strategie, mit der sich die Lebensschützer eben mit der AfD und dem Magazin „Compact“ verbinden. So berufen sie sich auf demographische Entwicklungen und beschwören die Angst vor einem Aussterben des deutschen Volkes herauf. Emblematisch dafür steht (wie könnte es anders sein) Hohmann, der 2012 in einem Compact-Interview mit der deutschen Vorzeige-Ehefrau und Mutter Eva Hermann gesagt hat Zitat: „Am Lebensschutz entscheiden sich … die moralische Integrität und das reale Überleben unserer Nation.“ – Eine solche Angst vor dem „Volkstod“ ist nichts Neues in Deutschland.

Mit dieser Verbindung von Lebensschutz, Familie und (völkischer) Nation wird allgemein ein Bedrohungsszenario aufgerufen, das sich letztlich gegen alle richtet, die nicht „dazu“ gehören. Eine perfide, menschenverachtende Logik im Namen des Lebensschutzes, die wir nicht tolerieren können, die wir nicht hinnehmen werden!
Keine Plattform für die Lebensrechtler!
Eure Familie kotzt uns an!