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Aufruf zum Protest am 12.September in Berlin

Im Erzgebirge müssen wir uns vor allem mit den sächsischen Protagonist_innen der selbst ernannten Lebensschutzbewegung beschäftigen. Doch auch in Annaberg-Buchholz treten immer wieder Protagonist_innen der bundesweit gut vernetzten Szene auf, wie dieses Jahr Hedwig “Miss Homophobia” von Beverfoerde.
Doch das jährlich wichtigste Happening von christlichen Fundis und anderen antifeministischen Kräfen ist zweifellos der “Marsch für das Leben” in Berlin – 2017 kurz vor den Bundestagswahlen. Wir unterstützen die Genoss_innen von What the Fuck! in ihrem Protest und möchten auch die Arbeit vom Bündnis für Sexuelle Selbstbestimmung positiv erwähnen. Hier nun der Aufruf:
Für eine befreite, emanzipierte Gesellschaft!
Gegen christlichen Fundamentalismus und reaktionäre Ideen!

Aufruf

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Marsch für das Leben? WTF! – Infoveranstaltung in Dresden

Am Mittwoch, den 06.09.2017 ab 19:00 @kosmotique (Martin-Luther-Str. 13)
Für den 16. September 2017 mobilisieren „Lebensschützer“ zu einem „Marsch für das Leben“ in Berlin. Letztes Jahr kamen 5.000 Menschen zusammen, die für ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen auf die Straße gingen und ihr christlich-fundamentalistisches Weltbild zelebrierten.
Wie auch schon in den letzten Jahren ruft das Marsch für das Leben? What the Fuck! – Bündnis zu Protesten gegen den „Marsch“ auf.

Wir dürfen zu dieser Veranstaltung einen Menschen des Bündnisses aus Berlin begrüßen. Im ersten Teil wird es um den “Marsch”, die Lebensschutzbewegung und Antifeminismus gehen. Im zweiten Teil werden Fragen zum Gegenprotest beantwortet, Inhalte und Strategien diskutiert. Wenn ihr wollt, können wir auch eine gemeinsame Anreise aus Dresden planen.

In Münster gegen den 1000-Kreuze-Marsch

Während wir gerade in der Vorbereitung für den Protest am 12.06.2017 in Annaberg-Buchholz stecken (save the date!), geht es in Münster bald in die heiße Phase.

Das dortige feministische Bündnis hat den Aufruf für dieses Jahr veröffentlicht – noch ist das Datum des 1000-Kreuze-Marsches nicht öffentlich, aber vermutlich werden sich die Fundis dort wieder im März auf die Straße begeben. Wir wünschen den Protesten viel Erfolg und hoffen, dass der Aufruf viele Menschen erreicht!

Dem Fazit können wir uns nur anschließen:

Die erreichten Erfolge und Teilerfoge emanzipatorischer und feministischer Kämpfe sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen auch in Zukunft verteidigt und als Anknüpfungspunkt für weitere Veränderungen genutzt werden. Es ist Zeit, sich gemeinsam zu organisieren, zu vernetzen und emanzipatorische Forderungen auf die Straße zu tragen!

Erfolgreich gegen Repression – Polizeiwillkür abgewehrt

Wie wir berichtet haben, versuchte die Polizei unseren offenbar unliebsamen Protest am 06. Juni 2016 durch ein massives Kräfteaufgebot einzuhegen. Neben verschiedenen rechtswidrigen Repressalien wie anlasslosen Vorkontrollen und fast ununterbrochenem Abfilmen der Demonstrationsteilnehmer_innen hatten die Hüter der staatlichen Ordnung es auch auf den Anmelder unseres Protestes abgesehen. Vom Ort der Abschlusskundgebung wurde dieser rüde zur Identitätsfeststellung hinter einen Polizeiwagen geführt, es folgten Ermittlungen unter dem Vorwand des Verstoßes gegen das Sächsische Versammlungsgesetz.

Wie sich später herausstellte, war für den Einsatzführer besonders problematisch, dass der Anmelder während der Demonstration immer wieder unseren Anwalt zu Rate zog. Besonders dann, wenn es um die rechtliche Bewertung bzw. die Abwehr kritischer polizeilicher Maßnahmen ging. Aus Sicht des Einsatzleiters stellt das Wahrnehmen dieser rechtsstaatlichen Selbstverständlichkeit nämlich “unkonstruktives Verhalten” dar.
Nach der Übergabe an die Staatsanwaltschaft Chemnitz musste diese das Verfahren nun einstellen, da – Überraschung! – kein strafbares Verhalten festgestellt werden konnte. Was übrig bleibt, sind Kosten für die anwaltliche Vertretung und ein erneuter Hinweis darauf, dass die Polizei gezielt diejenigen einschüchtern und verunsichern will, denen sie eine wichtige Rolle bei den Protesten zuschreibt.

Leider sind nicht alle Verfahren so glimpflich ausgegangen, so wurde z.B. wegen des lila Rauches bei der Zwischenkundgebung eine Verurteilung wegen versuchter Körperverletzung ausgesprochen und die betroffene Person muss Sozialstunden ableisten.

Wir lassen uns davon nicht abhalten, weiter feministische Forderungen in die Öffentlichkeit zu tragen und uns gegen den reaktionären Backlash zu stellen. Wir sind solidarisch mit den Betroffenen der Repression und lassen niemenschen mit den Folgen alleine. Getroffen werden einzelne, gemeint sind wir alle!
Wer uns bei der Abwehr dieser Einschüchterungsversuche unterstützen möchte, kann dies gerne mit einer Spende tun:

Kennwort: Spende Repression

e*vibes – für eine emanzipatorische praxis e.v.
Ostsächsische Sparkasse Dresden
IBAN: DE 22 8505 0300 0221 0618 35
BIC: OS DD DE 81 XXX

P.S.: auch in anderen Städten wird Protest gegen Fundi-Demos teilweise exzessiv verfolgt. So sind in Freiburg eine ganze Reihe von Verfahren gegen Menschen anhängig, die sich dem Piusmarsch 2015 mit einer Sitzblockade in den Weg gestellt haben. Mehr Infos dazu unter https://antirepfreiburg.wordpress.com

Die PND-Debatte hält an

..und zwar nicht nur in feministischen Bündnissen, sondern auch in den Medien. So hat Matthias Thieme – Journalist und Vater eines Kindes mit Trisomie-21 – in der taz das Thema Abtreibungsrecht und Pränataldiagnostik kommentiert, und eine lebhafte Diskussion in der Kommentarspalte entzündet.

Leider geht sein Beitrag trotz leichten gesellschaftskritischen Tönen kaum über eine moralische Betrachtung der Lage hinaus.
Wir würden jedenfalls im nächsten Jahr gerne mit euch diskutieren, wie denn die feministischen Alternativen zum diskriminierenden Normalzustand aussehen – und wie wir diese zusammen umsetzen können.

Für ein selbstbestimmtes Leben – Gegen christlichen Fundamentalismus!

Diese Nacht erreichte uns folgende Nachricht:

Heute Nacht wurden die Schaufenster der Vereinsräume des Kaleb Dresden e.V. mit Plakaten überklebt, die zur Blockade des “Marschs für das Leben” in Berlin aufrufen. Der “Marsch für das Leben” ist eine christlich fundamentalische Veranstaltung, die für eine vollständige Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen eintritt. Neben vielen christlichen BesucherInnen wird der Marsch seit Jahren auch massiv von der AFD unterstützt. Die Mobilisierung des Kaleb Dresden e.V. für diese Demonstration und sein genereller Einsatz gegen Schwangerschaftsabbrüche haben Aktivist_innen zum Anlass genommen, ihre Schaufensterscheiben mit Plakaten zu verkleben. Damit protestieren sie gegen jede Bevormundung von Schwangeren und für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen weltweit.

Ludmilla Kowalski, Sprecherin des Kommando Kaleb, erklärt hierzu: “Mit unserer Aktion wollen wir die vermeintlich menschenfreundliche und unpolitische Maskerade des Kaleb herunter reißen. Während der Kaleb verlautbart, alle Menschen seien gleich wertvoll, ignoriert er die Situation zigtausender Schwangerer weltweit, die jedes Jahr durch die Ausführung illegalisierter Abbrüche und deren Folgen sterben. Die einzige menschenfreundliche Forderung muss daher lauten: ‘§218 abschaffen – sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche ermöglichen!'”

Ludmilla Kowalski
Sprecherin des Kommando Kaleb

Weitere Informationen:

https://whatthefuck.noblogs.org/
http://www.sexuelle-selbstbestimmung.de/
https://codenamekot.noblogs.org/

Hier zwei mitgesendete Bilder der Aktion:

Emanzipation ist viel geiler! – Protest gegen fundamentalistischen „Schweigemarsch“ im Erzgebirge

Aborto libre!
Am 06. Juni versammelte sich nun bereits zum siebten Mal in Annaberg-Buchholz ein christlich-reaktionärer Haufen, um gegen das Recht auf Abtreibung und gegen Sterbehilfe zu demonstrieren. Diese auf den ersten Blick beschauliche Kleinstadt liegt im Erzgebirge südlich von Chemnitz inmitten einer Region, welche auch als sächsischer „Bible Belt“ bezeichnet wird – eine Hochburg von bibeltreuen Evangelikalen und anderen konservativen Freikirchen.

Organisiert wurde das Zusammenkommen christlicher Fundamentalist*innen gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche bis 2015 von den „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), die eine Arbeitsgemeinschaft innerhalb der CDU bilden. In diesem Jahr wurde der Marsch jedoch erstmals vom Verein „Lebensrecht Sachsen“ ausgerichtet. Die Übergabe von den CDL an diesen neu gegründeten Trägerverein soll den Schweigemarsch parteiübergreifend attraktiver machen. Faktisch blickt man dabei jedoch vor allem in die Richtung der AfD, die von Beginn ihrer Parteigründung an viele Positionen und Motivlagen der Lebensschützer*innen teilt, so in ihrer Kritik an Abtreibung und Geburtenkontrolle, in ihrer Abwehr von Gender Mainstreaming, ihrer Hetze gegen eine vermeintliche „Homo-Lobby“ und nicht zuletzt durch ihre nationalistische Wahnvorstellung eines starken deutschen Volkes. Die selbsternannten „Lebensschützer“, die sich ja ab und an auch gern mal verharmlosend urchristlich-sozial geben, legen damit nun ein offenes und aggressives Bekenntnis zu völkisch-rassistischem Gedankengut ab.

Bereits in den letzten beiden Jahren wurde dieser „Schweigemarsch für das Leben“ von stetig wachsenden Protesten begleitet, die vom überregionalen Bündnis Pro Choice Sachsen (PCS) organisiert wurden. Dieses Jahr wurde dieser Protest noch einmal deutlich ausgeweitet, denn erstmals folgten neben zahlreichen feministischen und antirassistischen Gruppen aus den sächsischen Großstädten auch Initiativen aus Jena, Erfurt und Berlin dem Aufruf des Bündnisses. PCS-Sprecherin Lisa Mueller erläuterte die Gründe des Gegenprotests: „Wir wollen auch weiterhin Entscheidungen über unser Leben ohne Einmischungen von Fundamentalist*innen treffen. Wir fordern die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, die nach §218 StGB in Deutschland immer noch illegal sind und nur unter bestimmten Umständen straffrei bleiben. Wir demonstrieren hier auch gegen die antifeministische, homosexuellenfeindliche und transfeindliche Politik der selbsterklärten Lebensschutzbewegung. Sie ist ein Teil des gesellschaftlichen Rechtsrucks, mit dem wir uns momentan konfrontiert sehen.“

Insgesamt machten ca. 500 Menschen – so viel wie noch nie – den Schweigemarsch der religiösen Fundamentalist*innen zum Desaster. Das Motto der Pro Choice-Demo, „Emanzipation ist viel geiler – Schweigemarsch stoppen!“, wurde auf vielfältige und kreative Art und Weise umgesetzt. Besonders an den beiden Punkten, wo die Versammlungen in Hör- und Sichtweite zueinander kamen, wurde der Schweigemarsch lautstark gestört. Am Ort der Abschlusskundgebung – natürlich bei einer Kirche – standen die Gegner*innen lang in Rufweite und brachten nicht nur mit griffigen Parolen wie „Ihr habt nur Jesus, wir haben Spaß!“ und „Mittelalter, Mittelalter!“, sondern auch selbstgebastelten Vulven zum Ausdruck, dass sie Versuche, die auch heute mangelhafte Rechtssituation um das Recht auf Abtreibung noch zu verschärfen, nicht widerstandslos hinnehmen werden. Selbst die im eklatanten Gegensatz zu ihrem Mittelalter-Weltbild stehende moderne Soundanlage der religiösen Fundamentalist*innen konnte diesen Gegenprotest nicht übertönen. Zu guter Letzt verwiesen auch Plakatinschriften wie „Ich habe Gott gefragt. Sie ist Pro Choice!“ auf die anmaßende Blasphemie der Evangelikalen bzw. auf den Beistand höherer Mächte für die gute Sache des Bündnisses.

In den Redebeiträgen der Gegendemo wurden die völkischen und patriarchalen Vorstellungen von Ehe und Familie kritisiert. Auch die Diskrepanz zwischen der Verteidigung des Rechtes auf Abtreibung bei gleichzeitiger Befürwortung behindertenfeindlicher pränataler Diagnostik (PND), wie sie in Teilen der feministischen Bewegung anzutreffen war und ist, wurde selbstkritisch thematisiert. Der AK Mob (Arbeitskreis mit ohne Behinderung, Berlin) kritisierte wiederum die Doppelzüngigkeit der Lebensschützer*innen: Sie geben vor, sich für die Rechte von Behinderten einzusetzen, gehören dabei aber genau der Partei an oder werden von dieser unterstützt, die die Forderungen behinderter Menschen seit Jahrzehnten abwehrt und deren Rechte beschneidet – die Rede ist natürlich von der CDU. Neben Transparenten, Luftballons, Konfetti und schickem lila Rauch kamen auch Symbole wie Stricknadeln und Kleiderbügel zum Einsatz. Bündnissprecherin Anke Schäfer dazu: „Stricknadeln und Kleiderbügel waren oder sind Hilfsmittel, auf die Schwangere zurückgeworfen waren oder sind, wenn Abtreibung verboten war oder ist. Insbesondere der Kleiderbügel wurde 2014 von den Feminist*innen in Spanien gegen eine drohende Gesetzesverschärfung mit der Parole ‚Nie wieder!‘ eingesetzt und verweist auf kriminalisierte Schwangerschaftsabbrüche unter lebensbedrohlichen Bedingungen.“ Darüber hinaus wurde ein Grußwort polnischer Aktivist*innen verlesen. In Polen macht die Bürgerinitiative „Fundacja pro – Prawo do Życia“ (Recht aufs Leben) mit Unterschriftensammlungen für ein Gesetz mobil, das Abtreibung, inklusive der „Pille danach“, grundsätzlich verbieten soll.

Begleitet wurde diese gelungene Pro Choice-Veranstaltung durch schönstes Wetter und einem mit 300 Beamt*innen massiven und unverhältnismäßigen Aufgebot äußerst schlecht gelaunter Polizei. Nachdem die Freunde und Helfer bereits im Vorfeld der Gegendemo Leuten das Anbieten ihrer Kaufkraft beim örtlichen Bäcker verboten und selbst den Toilettengang von Aktivist*innen zur Personalienfeststellung nutzten, fielen sie während der gesamten Veranstaltung durch äußerst aggressives Abfilmen auf. Außerdem war man sich offenbar nicht zu blöde, dabei auch noch Freundschaft mit anwesenden evangelikalen Filmteams zu schließen, die unterm fadenscheinigen Schutz von Pressewesten die Gegendemo permanent abzufilmen suchten.

Besonders Missfallen erregte zudem der wunderschöne lila Rauch, der die Abschlusskundgebung der Fundis in eindrucksvoll kontemplative Visuals hüllte – der/die vermeintliche Urheber*in wurde festgenommen. Am Ende der Pro Choice-Demonstration erstattete die Polizei zudem Anzeige gegen den Anmelder, weil er die Auflagen nicht durchgesetzt habe. Die Polizei behauptete, die Transparente seien über Kinnhöhe getragen und somit zur Identitätsverschleierung eingesetzt worden. Warum sie es für erforderlich hielt, von der Versammlung Filmaufnahmen anzufertigen, sagte die Polizei indes nicht.

Die diesjährigen Proteste lassen sich – trotz dieser Repressalien – auf jeden Fall als Erfolg werten, schon allein, weil zum ersten Mal seit Beginn der Gegenproteste deren Anzahl an Teilnehmenden zu der des Fundimarsches aufschloss. Ein Gleichstand, der nächstes Jahr zugunsten von Pro Choice gekippt werden wird! Auch nächstes Jahr geht es wieder nach Annaberg-Buchholz, um den Fundis zu zeigen, dass sie ihre Ideologie gleich mit ans Kreuz nageln können!

Sachsensumpf und Fundis wegfegen!
Für ein Recht auf Abtreibung!
Weg mit dem §218!
Emanzipation statt Fremdbestimmung!

Pressemitteilung von Pro Choice Sachsen

Bevor wir in den nächsten Tagen einen längeren Bericht veröffentlichen dokumentieren wir hier erstmal unsere Pressemitteilung zu dem gelungenen Protest. Dank an alle, die dabei waren und unterstützt haben!

Annaberg-Buchholz, 06.06.2016: +++Protest gegen fundamentalistischen “Schweigemarsch” im Erzgebirge + Ultrakonservative wollen Schwangerschaftsabbruch kriminalisieren + lautstarker Protest von feministischen Gruppen +++

06.06.2016, Annaberg-Buchholz, Sachsen:

Am Montagnachmittag demonstrierten in Annaberg-Buchholz etwa 500 Menschen unter dem Motto: “Emanzipation ist viel geiler – Schweigemarsch stoppen!”, um feministische Forderungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Anlass dafür war der von christlich-fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen organisierte sogenannte “Schweigemarsch für das Leben”. Lisa Mueller vom Bündnis „Pro Choice Sachsen“ erklärte, wofür feministische Gruppen aus Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen, Jena, Erfurt und Berlin heute im Erzgebirge demonstriert haben: “Wir wollen auch weiterhin Entscheidungen über unser Leben ohne Einmischungen von FundamentalistInnen treffen. Wir fordern die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, die nach §218 StGB in Deutschland immer noch illegal sind und nur unter bestimmten Umständen straffrei bleiben. Wir demonstrieren hier auch gegen die antifeministische, homosexuellenfeindliche und transfeindliche Politik der selbsterklärten Lebensschutzbewegung. Sie ist ein Teil des gesellschaftlichen Rechtsrucks, mit dem wir uns momentan konfrontiert sehen.”

In den Redebeiträgen wurden die völkischen und patriarchalen Vorstellungen von Ehe und Familie kritisiert. Auch die Diskrepanz zwischen der Verteidigung des Rechtes auf Abtreibung und die Kritik an behindertenfeindlicher pränataler Diagnostik (PND) wurde thematisiert. Der AK Mob (Arbeitskreis mit_ohne Behinderung, Berlin) kritisierte die Doppelzüngigkeit der LebensschützerInnen. Sie geben vor, sich für die Rechte von Behinderten einzusetzen, gehören aber einer Partei an oder werden von dieser unterstützt (CDU), die die Forderungen behinderter Menschen seit Jahrzehnten abwehrt und deren Rechte beschneidet. Neben Transparenten, Luftballons, Konfetti, lila Rauch kamen auch Symbole wie Stricknadeln und Kleiderbügel zum Einsatz. Anke Schäfer dazu: „Stricknadeln und Kleiderbügel waren oder sind Hilfsmittel, auf die Schwangere zurückgeworfen waren oder sind wenn Abtreibung verboten war oder ist. Insbesondere der Kleiderbügel wurde von den Feminist*innen in Spanien gegen eine drohende Gesetzesverschärfung mit der Parole „Nie wieder!“ eingesetzt und verweist auf illegalisierte Schwangerschaftsabbrüche unter lebensbedrohlichen Bedingungen“. Es wurde darüber hinaus ein Grusswort polnischer Aktivist*innen verlesen. In Polen macht die Bürgerinitiative „Fundacja pro – Prawo do Życia“ (Recht aufs Leben) mit Unterschriftensammlungen für ein Gesetz mobil, das Abtreibung grundsätzlich verbieten soll inklusive der „Pille danach“.

„Wir haben Spaß – ihr habt nur Jesus“ ist eine Parole der Feminist*innen und fasst den Demonstrationstag sehr gut zusammen, u.a. weil sich die Teilnehmer*innenzahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt hat. An zwei Stellen, wo sich „Schweigemarsch“ und Gegendemonstration begegneten, gab es lauten und kreativen Protest der feministischen Demonstrant*innen, um die reaktionären Forderungen des Lebensrecht Sachsen e.V. nicht unwidersprochen zu lassen. Auch die Rede von Martin Lohmann (Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht), der Schwangerschaftsabbrüche als Tötung und Euthanasie diffamierte, wurde mit lautstarker Kritik bedacht.

Zum Protest hatte das Bündnis ProChoice Sachsen aufgerufen. Der Zusammenschluss mehrerer Initiativen und Vereine fordert unter anderem die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, welche nach §218 StGB in Deutschland immer noch illegal sind. Seit drei Jahres organisiert ProChoice Sachsen u.a. Proteste gegen die christlich-fundamentalistischen Versuche, die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu verschlechtern.

Aktuelle Infos zum Protest

Damit ihr einschätzen könnt, wie unser Protest am Montag in Annaberg-Buchholz aussehen wird, haben wir an dieser Stelle ein paar aktuelle Infos gesammelt.

Die Anreise von außerhalb ist so geplant, dass wir deutlich vor Beginn des Schweigemarsches vor Ort sein werden. Wenn ihr aus Leipzig oder Dresden mit einem Auto nach Annaberg-Buchholz fahrt, in dem noch Plätze frei sind, wenn ihr noch einen Platz braucht, um selbst mitzufahren, oder wenn ihr euch zu einem Autokonvoi zusammenschließen möchtet: Kommt pünktlich zu den Abfahrtsorten der Busse.

Unsere Demonstration beginnt offiziell um 17:00 Uhr mit einer Kundgebung, auf der wir mit verschiedenen Redebeiträgen und Grußworten unsere feministischen Positionen klar ziehen.
Die Fundis ziehen ca. eine Stunde später gegenüber vom Erzgebirgskrankenhaus los. Unser Laufweg touchiert an zwei Stellen die Route des Marsches, mit dem passendem Timing können wir also den selbsternannten LebensschützerInnen wie letzes Jahr deutlich unsere Meinung zu ihren reaktionären Forderungen kundtun. Vergesst eure Trillerpfeifen und Fahnen nicht! :)
Wenn der Schweigemarsch zu Ende ist, wird die Demo mit einem kurzen Zwischenstopp am Markt zurück zum Startpunk ziehen, so dass alle wieder sicher nach Hause kommen. Wir rechnen damit, dass die Busse zwischen 20 und 21 Uhr abfahren werden.

Einen Überblick über die Lage könnt euch ihr mit folgender Aktionskarte schaffen, die wir bei der Kartographischen Aktion gefunden haben. Ausgedruckte Exemplare gibt es in genügender Anzahl in den Bussen. Getwittert wird übrigens unter dem Hashtag #ANA0606.

Unser Ziel für den Tag ist es, sowohl vor Ort als auch in der Berichterstattung starke Präsenz zu zeigen und den Schweigemarsch damit erneut in den Schatten zu stellen. Wir wünschen uns, dass die emanzipatorischen Kräfte den Tag prägen und das politische Kalkül der AbtreibungsgegnerInnen nicht aufgeht.
Bildet Bezugsgruppen, seid laut und kreativ. Lasst uns den Schweigemarsch zum Desaster machen und dazu noch unseren Spaß haben!

Falls dabei irgendetwas schief läuft und ihr Ärger mit der Polizei habt, könnt ihr euch an den Ermittlungsausschuss wenden, der ab 15:00 Uhr erreichbar ist: 0341 211 93 13
Der Polizeieinsatz wird wie im vergangenen Jahr von der Demonstrationsbeobachtungsgruppe aus Leipzig dokumentiert.

Falls ihr Fragen an uns oder zu der Kampagne habt könnt ihr uns gerne kontaktieren.