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Pressemitteilung 12.06.2017

Annaberg-Buchholz, 12.06.2017: + Protest gegen fundamentalistischen”Schweigemarsch” im Erzgebirge + Ultrakonservative wollen Schwangerschaftsabbruch kriminalisieren + Schulterschluss mit Rechtspopulistin Hedwig v. Beverfoerde + lautstarker Gegenprotest von feministischen Gruppen

12.06.2017, Annaberg-Buchholz, Sachsen:

Am Montagnachmittag demonstrierten in Annaberg-Buchholz etwa 350 Menschen unter dem Motto: “Leben schützen! Abtreibung legalisieren! Weg mit § 218!”. Anlass dafür war der von christlich-fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen organisierte sogenannte “Schweigemarsch für das Leben”. Lisa Mueller vom Bündnis Pro Choice Sachsen: „Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass über 21 Millionen Frauen weltweit jedes Jahr unsichere Schwangerschaftsabbrüche vornehmen müssen, 8 Millionen haben danach gesundheitliche Probleme. 47.000 Frauen sterben jedes Jahr an den Folgen illegalisierter Abtreibungen“, so die Sprecherin des Bündnisses. „Andere sitzen im Gefängnis, weil sie selbst Abtreibungen vorgenommen haben oder weil sie nach einer Fehlgeburt einer Abtreibung verdächtigt wurden. Das zeigt: Wer Leben schützen will, muss das Recht auf legalen Schwangerschaftsabbruch verteidigen.“ Pro Choice Sachsen fordert daher die Abschaffung des § 218 StGB in Deutschland, nach dem Abtreibungen immer noch illegal sind und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei bleiben.

Pro Choice Sachsen demonstrierte in Annaberg-Buchholz auch gegen die antifeministische, homosexuellenfeindliche und transfeindliche Politik der selbsterklärten Lebensschutzbewegung. Sie ist ein Teil des globalen gesellschaftlichen Rechtsrucks, mit dem wir uns momentan konfrontiert sehen.

Wenig überraschend war daher der Auftritt der rechten und christlich-fundamentalistischen Hedwig Freifrau von Beverfoerde als Hauptrednerin beim diesjährigen Schweigemarsch. Zusammen mit der AfD-Vize-Vorsitzenden Beatrix von Storch organisiert Beverfoerde seit über drei Jahren regelmäßige Kampagnen, Petitionen und Demonstrationen gegen die so genannte Homo- und Genderlobby, u.a. mit Demonstrationen gegen Aufklärung zur sexuellen Vielfalt im Schulunterricht. Die Einladung von Beverfoerde nach Annaberg-Buchholz zeigt, dass sich der Lebensrecht Sachsen e.V. darum bemüht, den Schweigemarsch zu einer Schnittstelle zwischen völkischen Rechten und fundamentalistischen ChristInnen zu machen.

Neben Transparenten, Luftballons, Konfetti und türkisem, pinkem, grünem und gelbem Rauch kamen auch Symbole wie Kleiderbügel zum Einsatz. Lisa Mueller dazu: „Kleiderbügel waren und sind Hilfsmittel, auf die Schwangere zurückgeworfen sind wenn Abtreibung verboten ist. Insbesondere der Kleiderbügel wurde 2016 von Feminist*innen in Polen als starkes Symbol auf den Demonstrationen gegen eine drohende Gesetzesverschärfung mit der Parole „Nie wieder!“ eingesetzt. Pro Choice Sachsen ist Teil einer globalen feministischen Bewegung für legale und sichere Schwangerschaftsabbrüche.

In den Redebeiträgen auf der Demonstration wurde über die Netzwerke christlicher Fundamentalist*innen und den sächsischen Bible-Belt informiert. In einem Grußwort informierten Aktivist*innen von Ciocia Basia über ihre Unterstützungsarbeit für polnische Frauen*. Sie organisieren für Pol*innen sichere Schwangerschaftsabbrüche in Berlin. Im Mai 2017 beschloss das polnische Parlament die Wiedereinführung der 2015 abgeschafften Rezeptpflicht für die „Pille danach“, sie sei eine “Schwere Sünde”. Pro Choice Ireland informierte über die Situation ungewollt Schwangerer in Irland, wo eines der repressivsten und frauen*verachtendsten Gesetze hinsichtlich reproduktiver Rechte herrscht. Der Antifaschistische Frauenblock Leipzig (AFBL) kritisierte die völkischen und patriarchalen Vorstellungen der Fundamentalist*innen hinsichtlich Ehe und Familie.

„Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine“ oder „Hinter dem Sexismus steht der Kardinal, der Kampf um Befreiung ist antiklerikal“, skandierten die Feminist*innen im beschaulichen Annaberg-Buchholz daher lautstark. Auf dem Markt, auf dem sowohl der „Schweigemarsch“ als auch die Demonstration von Pro Choice Sachsen ihre Abschlusskundgebungen abhielten, gab es lauten, wütenden und kreativen Protest der feministischen Demonstrant*innen, um die reaktionären Forderungen des Lebensrecht Sachsen e.V. nicht unwidersprochen zu lassen. Hedwig v. Beverfoerde zeigte sich verunsichert und musste mehrfach ihren Redebeitrag unterbrechen, in welchem sie gegen zeitgemäße, emanzipatorische Sexualaufklärung und die sogenannte „Genderlobby“ hetzte. Außerdem diffamierte sie die Feminist*innen als „Schreier“.

Nach Auflösung unserer Demonstration kam es – wie bereits im Vorjahr – zu Provokationen durch die Polizei. Einzelne Personen wurden unter fadenscheinigen Gründen festgehalten, wodurch sich die Abreise nach Plauen, Chemnitz, Jena, Leipzig, Dresden und Berlin verzögerte. Bei der sächsischen Polizei gilt „Tampon-Konfetti“ offenbar als „Werfen von Gegenständen“. What the fuck!

Zum Protest hatte das Bündnis Pro Choice Sachsen aufgerufen. Der Zusammenschluss mehrerer Initiativen und Vereine fordert unter anderem die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, welche nach §218 StGB in Deutschland immer noch illegal sind. Im vierten Jahr organisiert Pro Choice Sachsen die Proteste gegen die christlich-fundamentalistischen Versuche, die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu verschlechtern und ungewollt Schwangere zu kriminalisieren.

Erstmals hatte neben Pro Choice Sachsen auch ein weiteres Bündnis – das Aktionsbündnis für Selbstbestimmung Chemnitz + Erzgebirge – zur Demonstration für ein selbstbestimmtes Leben aufgerufen.

Bustickets zu haben!

Dresden ist wieder früh dabei und ermöglicht euch bereits ab heute den Kauf von Bustickets für die Fahrt nach Annaberg-Buchholz. Erwerben könnt ihr sie (und wow günstiger als im Jahr zuvor) im “Buchladen König Kurt” und auch in Löbtau. Wie auch im letzten Jahr würden wir euch bitten euch möglichst zeitnah eure Tickets zu sichern. Dies ermöglicht uns dann bei einem höheren Bedarf frühzeitig und entspannt zu reagieren!

Leben schützen! Abtreibung legalisieren! Weg mit §218!

Nun geht es endlich los – die Mobi für Annaberg-Buchholz 2017 beginnt.
Ihr dürft gespannt sein was in den nächsten Wochen alles passiert!

beginn

Nie wieder Kleiderbügel – Illegalisierte Abtreibungen enden jährlich 47.000 Mal tödlich

Heute gab es nicht nur bunte und entschlossene Proteste in Berlin gegen den sogenannten “Marsch für das Leben”, sondern auch bereits die zweite Aktion innerhalb dieser Woche gegen den in Dresden ansäßigen Verein “Kaleb Dresden e.V.”.

Aktivist_innen protestierten in strömenden Regen gegen den vom “Kaleb Dresden e.V.” organisierten Bus für den oben genannten Marsch in Berlin.

Hier seht ihr ein paar Bilder des Protests:

Und hier findet ihr den vor Ort verteilten Flyer:

Flyer

Für ein selbstbestimmtes Leben – Gegen christlichen Fundamentalismus!

Diese Nacht erreichte uns folgende Nachricht:

Heute Nacht wurden die Schaufenster der Vereinsräume des Kaleb Dresden e.V. mit Plakaten überklebt, die zur Blockade des “Marschs für das Leben” in Berlin aufrufen. Der “Marsch für das Leben” ist eine christlich fundamentalische Veranstaltung, die für eine vollständige Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen eintritt. Neben vielen christlichen BesucherInnen wird der Marsch seit Jahren auch massiv von der AFD unterstützt. Die Mobilisierung des Kaleb Dresden e.V. für diese Demonstration und sein genereller Einsatz gegen Schwangerschaftsabbrüche haben Aktivist_innen zum Anlass genommen, ihre Schaufensterscheiben mit Plakaten zu verkleben. Damit protestieren sie gegen jede Bevormundung von Schwangeren und für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen weltweit.

Ludmilla Kowalski, Sprecherin des Kommando Kaleb, erklärt hierzu: “Mit unserer Aktion wollen wir die vermeintlich menschenfreundliche und unpolitische Maskerade des Kaleb herunter reißen. Während der Kaleb verlautbart, alle Menschen seien gleich wertvoll, ignoriert er die Situation zigtausender Schwangerer weltweit, die jedes Jahr durch die Ausführung illegalisierter Abbrüche und deren Folgen sterben. Die einzige menschenfreundliche Forderung muss daher lauten: ‘§218 abschaffen – sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche ermöglichen!'”

Ludmilla Kowalski
Sprecherin des Kommando Kaleb

Weitere Informationen:

https://whatthefuck.noblogs.org/
http://www.sexuelle-selbstbestimmung.de/
https://codenamekot.noblogs.org/

Hier zwei mitgesendete Bilder der Aktion:

Letzte Mobi-Veranstaltung am 1. Juni

Der große Tag rückt immer näher! Unsere letzte Mobi-Veranstaltung findet am 1. Juni in Chemnitz statt. Ab 18.00 zeigen wir im Weltecho den Film Maria, Christiane, Else, Karin, Lea, Lydia, Petra S., Petra W., und der §218. Außerdem gibt’s wie üblich einen Mobi-Vortrag und Gelegenheit für Fragen.

Außerdem arbeiten wir daran, die Infos auf unserem Blog so zu gestalten, dass sie für möglichst viele Menschen zugänglich sind. Deshalb findet ihr ab sofort unseren Aufruf hier auch in einfacher Sprache. Außerdem gibt’s alle Informationen über Anreisemöglichkeiten und Ticketkauf jetzt auch auf Englisch.

Information about the possibilities to travel to Annaberg-Buchholz and to buy bus tickets are available in English now.

Diese Woche: Mobi-Veranstaltungen in Berlin und Dresden!

In den nächsten Wochen geht richtig viel! Den Auftakt machen unsere Mobi-Veranstaltungen in Berlin und Dresden, die beide schon morgen Abend, also am 04. Mai 2016, stattfinden. In Berlin könnt ihr euch im Tristeza im Rahmen des FLTI*-Tresens ab 18.00 über die Demo in Annaberg-Buchholz und alle Hintergründe informieren. In Dresden zeigen wir ab 21.00 im AZ Conni den Film Maria, Christiane, Else, Karin, Lea, Lydia, Petra S., Petra W., und der §218. Daran schließt sich ein Mobi-Vortrag an. Und wenn ihr wissen wollt, was in den nächsten Wochen noch alles geplant ist, werft einen Blick auf unsere Übersicht aller Veranstaltungen! Wir freuen uns auf euch :-)