Ankündigungstexte Veranstaltungen

Podiumsgespräch “Feministische Praxis zwischen Realität und Utopie”

Mit unserer Gesprächsrunde möchten wir verschiedene Perspektiven auf feministischen Utopien und Reproduktive Rechte zu Wort kommen lassen. Dazu gehört auch ein kritischer Blick auf patriarchale Strukturen und behindertenfeindliche Selektionsproblematiken.

Katja Krolzig-Matthei (Sozialpädagogin und Sexualwissenschaftlerin an der Hochschule Merseburg) wirft einen kurzen Blick darauf, warum die Lage rund um Schwangerschaftsabbrüche so ist, wie sie ist, und welche feministischen Kämpfe schon erfolgreich waren.

Sarah Buddeberg (Sprecherin für Gleichstellungs- und Queerpolitik der LINKE-Landtagsfraktion) berichtet über aktuelle parlamentarische Aktivitäten rund um das Thema Schwangerschaftsabbrüche. Sie erklärt, was in Sachsen konkret falsch läuft und was passieren müsste, damit sich daran etwas ändert.

Gerda Matzel (Vorstand RosaLinde Leipzig e.V.) erzählt über Alltagsprobleme, Hürden aber auch positive Entwicklungen für LSBTIQ*-Familien, und wie wir zusammen vielfältige Lebensentwürfe stärken können.

Anna (Redaktion outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik) kratzt am Lack sogenannter “traditioneller Familienbilder” und überlegt, wie gleichberechtigtes Zusammenleben mit und ohne Kindern in einer befreiten Gesellschaft aussehen kann.

Moderation: Pro Choice Sachsen

Bei Interesse können wir uns danach an den Infoständen weiter über die verschiedenen Themen austauschen.

 

“… dass die Wahrheit eine Sache der Vorstellungskraft ist.”
Feministische Utopien zu Reproduktion und Arbeit.
Lesung und Diskussion mit der AG Feministische Kämpfe (FAU Dresden)

Wir leben nicht gerade in utopischen Verhältnissen. Die AFD und Pegida
wollen den Menschen ein konservatives Familienbild aufzwingen,
“Lebensschützer” und fundamentalistische Christen demonstrieren am
16.06.2018 in Annaberg-Bucholz für ein komplettes Verbot von Abtreibung.
Sexualität, Familienstrukturen, Kindererziehung sollen sich an starren
Geschlechterrollen orientieren.
Gegen diese Entwicklung müssen notwendige Abwehrkämpfe geführt werden.
Darüber kommen wir oft gar nicht dazu, darüber nachzudenken, wie
eigentlich eine Gesellschaft aussehen könnte, in der Geschlecht keine
Rolle spielt, oder in der Geschlecht ganz andere Rollen spielt. Wer
kümmert sich dann in welchem Maß um Arbeit, Haushalt und
Kindererziehung? Müssen sich überhaupt Menschen darum kümmern? Wie
werden solche Dinge entschieden? Wie leben und lieben wir? Wie sehen
unsere Beziehungen zueinander aus? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt
sein, damit gleichberechtigtes Zusammenleben möglich ist?
Auch Science-Fiction-Autor_innen haben sich diese Fragen gestellt und
die Zukunft als Folie für Gedankenexperimente genutzt. Anhand von
utopischen Romanen, wie beispielsweise “Planet der Habnichtse” von
Ursula K. Leguin wollen wir miteinander darüber ins Gespräch kommen, wie
dieser (noch) nicht vorhandene Ort (deutsche Übersetzung des Wortes
Utopia) aussehen kann, was wir unter einem besseren Zusammenleben
verstehen und wie wir dahin kommen, wenn uns die Herrschenden nun mal
keinen Planeten schenken.

Antifeminismus in Bewegung: Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt

Juliane Lang/ Ulrich Peters (Hrsg.): Antifeminismus in Bewegung. Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt. Marta Press Hamburg, 2018.

Maskulist/innen, neurechte Populist/innen, christliche Fundamentalist/innen und organisierte Neonazis vertraten immer schon geschlechter- und familienfundamentalistische Positionen und nehmen aktuell stärker denn je aufeinander Bezug. Zunehmend setzen die unterschiedlichen Strömungen im organisierten Antifeminismus auch Themen reproduktiver Rechte und der demographischen Entwicklung auf die eigene Agenda – und zeichnen anhand dessen alte und neue Bedrohungsszenarien. Während Neonazis vom „Volkstod“ reden, formulieren „Lebensschützer“ die Parole „Deutschland treibt sich ab“. Dahinter verbergen sich u.a. Forderungen nach einer Verschärfung der Paragraphen 218 – und die Aufforderung an alle Deutschen, mehr Kinder für die (Volks-)Gemeinschaft zu bekommen.

Der hier vorgestellte Sammelband gibt einen systematischen Einblick in die unterschiedlichen Strömungen und die sie tragenden Organisationen im organisierten Antifeminismus. In Anbetracht der Fülle antifeministischer Akteur/innen, Positionen und Aktionen, werden zentrale Themenfelder und Strategien benannt und kontextualisiert sowie Diskurse und Öffentlichkeitsfelder – in denen diese wirken – beleuchtet. Ziel der Buchpräsentation ist es, einen Einblick in den Band zu geben und die Tragweite des organisierten Antifeminismus im Themenfeld „Lebensschutz“/ „Volkstod“ zu illustrieren. Hierfür  diskutiert die Herausgeberin Juliane Lang mit der Soziologin Kirsten Achtelik und dem Politikwissenschaftler Christoph Kopke über den Band und die Beiträge der beiden Autor*innen.

Feministische Kämpfe um das Recht auf Abtreibung

Seit der strafrechtlichen Verankerung des Abtreibungsverbots im § 218 Strafgesetzbuch gibt es feministische Widerstände dagegen und Proteste für die Abschaffung des Paragraphen. Für die Konstituierung der Frauenbewegung in Deutschland spielten diese Kämpfe eine ganz wesentliche Rolle. Der Vortrag von Katja Krolzik-Matthei (Hochschule Merseburg) wirft einen Blick auf die Entwicklung dieser Kämpfe. Besonderes Augenmerk wird auf den Brüchen, Widersprüchen und ungelösten Konflikten innerhalb der Kämpfe liegen.

Über Methoden und Statistiken zum Schwangerschaftsabbruchs wird fem*med – Feministische Medizinstudierende Leipzig informieren. fem*med ist eine Projektgruppe der medizinischen Fakultät Leipzig, die sich mit der Frau im Gesundheitssystem – als Patientin, als Mitarbeiterin und als Studentin – auseinandersetzt.

Gemachtes Geschlecht – Gemachte Behinderung

In dem kurzen Workshop über 90 Minuten soll es um die Konstruktion von Geschlecht und Behinderung in unserer Gesellschaft gehen. Die Teilnehmer_innen erfahren, was diese beiden Kategorien miteinander zu tun haben und wie und wovon die Aneignung weiblicher und männlicher Stereotype
emanzipieren können; warum das nicht die Lösung sein kann und wie über all dies auch in Leichter Sprache gesprochen werden kann.
Der Workshop ist als Workshop konzipiert und nicht als Vortrag – Mitmachen ist erwünscht!

Beschreibung in Leichter Sprache:
Menschen machen Geschlecht. Menschen machen auch Behinderung. Ich mache einen workshop. Der workshop dauert 90 Minuten. Ein workshop ist
so ähnlich wie Unterricht. Im workshop sollen alle mitmachen und etwas lernen. In diesem workshop lernen Sie über Männlich-Sein und Weiblich-Sein.
In dem workshop lernen Sie etwas über Behinderung. Wir lernen wie Menschen Männer machen, Frauen machen und Behinderte machen. Wir lernen, wie man in Leichter Sprache über das Thema spricht. Der workshop ist in Schwerer Sprache. Sie können mit einem Helfer kommen. Sie können mit einer Helferin kommen.

Gendering Disability und Selbstbestimmte Sexualität

In dem dreistündigen Workshop soll es um die Konstruktion von Geschlecht und Behinderung in unserer Gesellschaft gehen und wie diese sowie andere Aspekte zur Einschränkung sexueller Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen beitragen. Die Teilnehmer_innen erfahren, was die beiden Kategorien Geschlecht und Behinderung miteinander zu tun haben und wie und wovon die Aneignung weiblicher und männlicher Stereotype emanzipieren können; warum das nicht die Lösung sein kann und wie über all dies auch in Leichter Sprache gesprochen werden kann. Außerdem soll es um sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen gehen – wobei der Fokus hierbei auf Menschen gelegt wird, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben.
Der Workshop ist als Workshop konzipiert und nicht als Vortrag – Mitmachen ist erwünscht!

Beschreibung in Leichter Sprache:
Menschen machen Geschlecht. Menschen machen auch Behinderung. Menschen mit Beeinträchtigungen können oft nicht so Sex haben, wie sie das selber wollen.
Ich mache einen workshop. Der workshop dauert 3 Stunden. Ein workshop ist so ähnlich wie Unterricht. Im workshop sollen alle mitmachen und etwas lernen. In diesem workshop lernen Sie über Männlich-Sein und Weiblich-Sein. In dem workshop lernen Sie etwas über Behinderung und Sexualität. Wir lernen wie Menschen Männer machen, Frauen machen und Behinderte machen. Wir lernen, wie man in Leichter Sprache über das Thema spricht. Der workshop ist in Schwerer Sprache. Sie können mit einem Helfer kommen. Sie können mit einer Helferin kommen.

Grenzenlos Pro Choice

Während in vielen Ländern reproduktive Rechte immer weiter liberalisiert werden, befindet sich die Politik in Polen, Deutschlands direktem Nachbarn, auf einem extrem regressiven Kurs. Die rechtskonservative Regierung schränkt, in Zusammenarbeit mit der Kirche, die reproduktiven Rechte der polnischen BürgerInnen massiv ein. Polen hat bereits eines der strengsten Abtreibungsrechte Europas – trotzdem soll dieses nun weiter verschärft werden. Polinnen sollen künftig gezwungen werden, nichtüberlebensfähige Föten auszutragen, um das katholisch-konservative Weltbild der Regierung zu erfüllen. Dem versuchen wir entgegenzuwirken.
Unsere Organisation, Ciocia Basia (Tante Barbara) hilft Polinnen, die von dem inhumanen Abtreibungsrecht des Landes betroffen sind, Abtreibungen in Berlin durchzuführen. Wir unterstützen Frauen organisatorisch, finanziell und seelisch bei dem Abbruch ungewollter Schwangerschaften.
Wir berichten über unsere Arbeit, sowie über die momentane soziopolitische Situation in Polen, welche zu der Gründung unserer Organisation geführt hat.

Interaktive Ausstellung: Feminismus in Szene

Wir präsentieren: Feminismus in Szene- interaktives Museum zum Thema Alltagssexismus

– Begegne deinem emanzipatorischen Anspruch
– Was denn da los? – Bilderraten im sexistischen Alltag
– Der Blick nach innen: Ein Stuhl. Ein Konflikt. Zwei Posen.
– Reflexions-Speeddating
– Soundcollage: Stimmen von der Straße.
– Begrüßt, beklemmt, besoffen – kurze Szenen zum Revolutionieren

Tretet ein und erlebt unsere Ausstellung! In den einzelnen Stationen könnt ihr zuschauen, aufnehmen, wirken lassen. Aber: wir spielen interaktives Theater, ihr könnt euch also auch selbst ausprobieren, eure Zweifeln Raum geben, die eigenen Kategorien in Frage stellen. Bestimmt kann das auch herausfordernd und intensiv werden, vor allem da wir uns mit solch einem allgegenwärtigen Thema konfrontieren und Sexismen dazu auch direkt zeigen. Wir werden füreinander da zu sein und versuchen, Erlebtes gemeinsam aufzufangen!
Ihr seid eingeladen, mit uns in Aktion zu treten, andere Perspektiven anzustoßen und unsere Realitäten zu verändern!

Kinderküfa im April

Die Kinder Küfa ist ein Ort an dem Menschen mit und ohne Kinder, Menschen egal ob jung oder alt im AZ Conni zusammenkommen können um gemeinsam rumzuhängen, zu essen, zu spielen und zu diskutieren.

Dieses Mal dreht sich die Diskussion um Spätabtreibungen. Als eine Spätabtreibung gilt in Deutschland eine Abtreibung die
nach der 12./14. SSW durchgeführt wird und sie ist nur erlaubt wenn die Schwangerschaft durch eine Strafttat (Vergewaltigung oder Inzest) entstanden ist oder wenn sie einen erhelblichen physischen bzw. psychischen Schaden für die schwangere Person mit sich bringt. Abtreibungen aufgrund von vermuteten Behinderungen des Fötus sind nicht erlaubt. Trotzdem finden sie statt – unter dem Deckmantel des Schadens für die schwangere Person.

Wir wollen dazu eine Kurzdoku schauen und uns austauschen. Was sind unsere Meinungen dazu, würden wir persönlich aus diesen Gründen abtreiben, haben wir dies vielleicht schonmal getan, standen wir vor dieser Entscheidung und haben uns für ein fortführen der Schwangerschaft entschieden. Warum treiben Menschen ab? Sind Menschen mit Behinderungen in dieser Gesellschaft willkommen?

Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der “Lebensschutz”-Bewegung.

Die „Lebensschutz“-Bewegung will in die Offensive: Sie möchte nicht nur die Zugänge zu Schwangerschaftsabbrüchen erschweren, sondern führt auch einen Kulturkampf zur Retraditionalisierung der Geschlechter- und Familienverhältnisse, um christliche Moral und das ärztliche Gewissen. Damit ist sie Teil eines konservativen bis extrem rechten, in Teilen antidemokratischen, Aufschwungs. Die Autor*innen analysieren in “Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der ‘Lebensschutz’-Bewegung” die neuen medizinethischen Strategien der „Lebensschutz“-Bewegung, ihre Stärken, Schwächen und internen Widersprüche. Damit liefern sie das Material für eine kritische Auseinandersetzung mit den „Lebensschützern“ – und die Grundlage für den nötigen Widerstand.

Über ein Jahr lang hat Eike Sanders, Mitarbeiterin des Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums (apabiz) recherchiert, zusammen mit ihrem Kollegen Ulli Jentsch und der freien Journalistin und Autorin Kirsten Achtelik die Expertise zusammengestellt, gelesen und geschrieben, Thesen und Erkenntnisse mit Kolleg*innen und Aktivist*innen diskutiert. Alle Autor*innen publizieren seit vielen Jahren zu dem Themenbereich.

Kinderküfa im Mai

Die Elterngruppe Upside Down aus Dresden stellt sich und ihre Arbeit vor. Die Gruppe besteht aus Eltern deren Kind/er Trisomie 21 haben.

NS-Zwangsarbeit und Schwangerschaft: Das Schicksal schwangerer Zwangsarbeiterinnen und ihrer Kinder im Zweiten Weltkrieg mit lokalen Beispielen

Während des Zweiten Weltkrieges verschleppten die Nationalsozialisten Millionen Männer, Frauen und Kinder aus den besetzten Ländern und Gebieten zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich. Etwa ein Drittel der in Deutschland eingesetzten Zwangsarbeiter_innen waren Frauen und Mädchen. Neben schwerer Arbeit, unzureichender Ernährung, fehlender gesundheitlicher Versorgung und vielfachen Gewalterfahrungen gestaltete sich die Situation von schwangeren Zwangsarbeiterinnen besonders schwierig: Für die Nationalsozialisten zählte allein der ökonomische Nutzen. Eine Schwangerschaft bedeutete Ausfall von Arbeitskraft und -zeit. Zudem stand die Geburt von Kindern durch Frauen aus vor allem Osteuropa im Widerspruch zur rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten.

Diese berief sich zum „Erhalt des Volkskörpers“ auf die „Familie als Keimzelle der Nation“ und stellte Schwangerschaftsabbrüche „deutscher erbgesunder“ Frauen unter schwere Strafe. Schwangere Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa wurden jedoch unter Berufung auf die „Verhütung rassisch minderwertigen Nachwuchses“ zu Abtreibungen gezwungen.

In diesem einführenden Vortrag möchten wir einen Einblick in die Entwicklung und Anwendung des §218 zu Zeiten des Nationalsozialismus und die besondere Situation von schwangeren Zwangsarbeiterinnen geben sowie den auf rassistischen Grundlagen beruhenden Umgang mit Schwangerschaft im NS-Staat thematisieren.

Kriminalisierung von Informationen über Schwangerschaftsabbrüche

Schwangerschaftsabbruch – Eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit den §§ 218 ff. Strafgesetzbuch

In zwei Vorträgen soll die Abtreibungsdebatte im Hinblick auf die §§ 218 ff. Strafgesetzbuch rechtskritisch, feministisch und aus medizinischer Sicht umfassend beleuchtet werden.

# 1 § 219a Strafgesetzbuch – Kriminalisierung von Informationen über die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs und reproduktive Rechte in Deutschland, Prof. Dr. Ulrike Lembke

Mittwoch, 30. Mai 2018, 19 bis 21 Uhr
Hörsaal 2, Hauptcampus Universität Leipzig

Im November 2017 wurde die Ärztin Kristina Hänel vom Amtsgericht Gießen verurteilt, weil sie auf ihrer Website darüber informiert hatte, dass sie auch Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Seitdem hat es weitere Anzeigen gegen Ärzt*innen, aber auch gesellschaftliche und politische Diskussionen über die Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland gegeben. Ulrike Lembke wird den Regelungsgehalt des § 219a und der §§ 218ff. Strafgesetzbuch und ihre praktischen Auswirkungen erläutern sowie eine Bewertung aus verfassungsrechtlicher Sicht und der internationalen Perspektive reproduktiver Rechte vornehmen.

Notiz zur Referentin: Ulrike Lembke ist Professorin für Gender im Recht an der FernUniversität in Hagen, Expertin im European Equality Law Network und Leiterin des djb-Arbeitsstabes „Reproduktive Gesundheit und reproduktive Rechte“. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören rechtliche Geschlechterstudien, Antidiskriminierungsrecht, Intimität/Öffentlichkeit, Gewalt im Geschlechterverhältnis, Verfassungsrecht, Menschenrechte und ihre Umsetzung.

Screening: Vessel & Gespräch

Filmscreening: VESSEL & Gespräch mit einer Aktivistin der Gruppe Salud Mujeres
Film, Untertitel und Gespräch auf englischer Sprache

VESSEL, der Dokumentarfilm unter der Regie von Diana Whitten zeigt die Arbeit der niederländischen pro-choice Organisation ‘Women on Waves’. Gegründet von der Medizinerin Dr. Rebecca Gumperts, segelt die Organisation um die Welt und bietet die Durchführungen von Schwangerschaftsabbrüchen an Board an, für Frauen denen keine rechtliche Option zusteht.
Trailer:

Nach dem Film wird es Gelegenheit geben mit einer Aktivistin von Salud Mujeres aus Ecuador ins Gespräch zu kommen. Salud mujeres ist ein Kollektiv, bestehend aus jungen Frauen, dass für die soziale, rechtliche und kulturelle Entkriminalisierung von Abtreibung in Ecuador aus linker, femnistischer Perspektive kämpft. Ihre Arbeit begann im Zusammenhang mit women on waves. Es wird sowohl von der täglichen Praxis berichtet werden, als auch ein Einblick geben in die Entstehung dieser Bewegung.

Technologie. Reproduktion. Reprorevolution?

Medizin und Pharmakologie eröffnen heute neue Möglichkeiten für eine Reproduktion der menschlichen Gattung, die sich von der Natur als „Schicksal“ lösen kann. Ebenso offenbart sich Zweigeschlechtlichkeit damit als ein immer sozial wie technisch hergestelltes Konstrukt. Allerdings vollzieht sich diese Entwicklung unter den Bedingungen eines expandieren, globalen Marktes: Ein Outsourcing des Biologischen, z.B. durch Eizellenentnahme und Leihmutterschaft, an meist prekarisierten Frauen ist die Folge. Daher stellt sich die Frage: Warum ist es nicht möglich, den technologischen Fortschritt zu nutzen, um die Reproduktion kollektiv zu organisieren und das Patriarchat sowie das binäre Geschlechterverhältnis auf den Müllhaufen der Geschichte zu katapultieren.Wir wollen diskutieren, wie Gen- und Reproduktionstechnologien die gegenwärtigen Machtverhältnisse reproduzieren und strukturieren. Dabei drängt sich aber auch die Frage nach ihrem revolutionären Potenzial auf: Warum ziehen wir in Hausprojekte oder verhandeln unsere Berufswahl politisch, fangen aber nicht im Hier und Jetzt an durch die Entkopplung von genetischen Zugehörigkeiten, Fragen der Beziehung, Erziehung und der Familie neu zu diskutieren? Warum bringen wir neue Reproduktionstechnologien nicht als Waffe gegen die bürgerliche Kleinfamilie in Anschlag?

Kirsten Achtelik ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin und lebt als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie arbeitet zu feministischer Theorie und Bewegungen in Verbindung mit der Behindertenbewegung und einer Kritik der Gen- und Reproduktionstechnologien. Außerdem recherchiert sie zur selbsternannten Lebensschutzbewegung (Abtreibungsgegnern).